Als er die Wohnungstür öffnete und das Post-it am Spiegel kleben sah, traf es ihn mitten ins Herz. „Es tut mir leid.“ In der Sekunde wusste er was es geschlagen hatte. Der Blick in die leeren Kästen bestätigte ihn genauso wie die leeren Laden im Badezimmer. Er sank zu Boden und war fassungslos. Es war einer dieser Momente, die er nur vom Hörensagen oder aus Filmen kannte und die einem selbst nie passieren würden. Er zog sein Handy aus der Tasche und wählte emotionslos ihre Nummer. Außer der Mailbox meldete sich niemand.

Sie drehte ihr Handy sofort ab, nachdem sie aus der Türe draußen war und in ihr Auto stieg um zu ihrem Exfreund zu fahren. Er war der einzige der sie verstehen würde und auch der eigentliche Grund warum sie flüchtete. Als sie völlig erledigt bei ihm anläutete, öffnete allerdings nicht er sondern ein kleines Mädchen die Türe. „Scheiße, von Kinder hat er am Klassentreffen nichts erzählt.“, dachte sie sich und überlegte wieder umzudrehen. „Hi, ähm….was machst du denn hier? Das ist Jenny also…ihre Mum ist gerade, einkaufen“, gab er mit brüchiger und unsicherer Stimme von sich. „Schon gut ich…alles ok, ich wollte nur kurz hallo sagen. Bis dann.“ Innerlich aufgelöst zog sie wieder davon ehe sie heulend im Auto zusammenbrach.

Da saß er nun. Mit seinem Verlobungsring in der einen und zwei Flugtickets in der anderen Hand. Zwei Tickets, die ihm in der Stadt der Liebe all seine Träume hätten erfüllen sollen. Zum Stornieren des Fluges, der Limousine, des Hotels und Restaurants war es viel zu spät. Auch den gravierten Ring konnte er nicht mehr zurückbringen. Sein perfekter Plan löste sich schlagartig in Luft auf und mit ihm tausende von Euros und seine gesamte durchgeplante Zukunft.

Er raffte sich auf und betrachte noch einmal diesen kleinen gelben Zettel mit den 4 Worten darauf, der alles zerstörte. „Es tut mir leid.“ Völlig absurd, dass diese kleine Nachricht alles beenden sollte? Unzählige Stunden des Zusammenlebens, der Freude, des Vertrauens und die Nächte, die sie stets zum Tag machten. Es war zum kotzen. Neben ihm stand eine große Box, in die er seit Jahren kleine, motivierende Sprüche hineinlegte. Immer wenn er schlechte Laune hatte zog er dann einen heraus und fühlte sich meist besser. Sie hasste diese Box und fand sie einfach nur lächerlich. Er öffnete sie und nahm sich eine Handvoll dieser kleinen Zettelchen heraus, um sie in seine Jackentasche zu stecken. Dann nahm er den Ring, die Tickets, seinen Koffer und stieg in ein Taxi zum Flughafen.

Nachdem er ihr Ticket in den Mistkübel warf, sich selbst für den Flug eincheckte und kurz darauf auf der Toilette übergab, griff er in seine Jackentasche und zog einen ersten Spruch heraus: „Eines Tages wirst du dort sein, wo du immer hin wolltest. Vertraue darauf.“

Völlig aufgelöst drehte sie ihr Handy auf und sah den verpassten Anruf. Als sie seine Nummer wählte meldete sich niemand, außer seine Mailbox.

Noch 30 Minuten bis zum Flug….

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