Er bestellte zwei Gläßer Sekt, schnallte sich ab und ging zu der Frau rüber, die er zuvor so schnell abgewimmelt hatte. Die schulterlangen, blonden Haare und ihre sportliche Figur waren ihm zuvor gar nicht aufgefallen. „Verzeihung wegen vorhin…sie..hatten Recht, es ist wohl doch nicht alles in Ordnung.“…und reichte ihr ein Glas Sekt. „War wohl ein harter Vormittag?“ entgegnete sie ihm mit ruhiger Stimme. „So kann man’s wohl sagen. Wenn sie wirklich wollen, erzähle ich ihnen die Kurzversion und danach verraten sie mir, warum sie alleine nach Paris fliegen? Ok?“. „Abgemacht“.

Er erzählte ihr was heute passiert war, was er in Paris geplant hatte, zeigte ihr den Verlobungsring und dass er keinen Plan hat was er in Paris machen soll. „Ok wooow. Meine Geschichte wird jetzt nicht so spektakulär ausfallen aber ich würde sagen wir trinken zuerst mal etwas.“ Die beiden gönnten sich hoch über den Wolken ihren Sekt und er vergaß für einen kurzen Augenblick die furchtbaren Stunden zuvor.

In der Intensivstation angekommen, kämpften die Ärzte um ihr Überleben. Sie hatte sehr viel Blut verloren und ihre Kopfverletzung war enorm. Sie wurde umgehend für eine Notoperation vorbereitet. Für den anderen Fahrer, der den Unfall verursachte, kam jede Hilfe zu spät. Die Ärzte wählten ihren Notfallkontakt, aber erreichten nur die Mailbox.

„Ok, also ich fliege alleine nach Paris weil ich noch nie in dieser Stadt war aber schon immer mal dort hinwollte.“ gab sie ganz trocken von sich. „Das ist alles???“ fragte er sichtlich überrascht. „Unspektakulär, sag ich ja.“ Die beiden unterhielten sich den restlichen Flug über so unbeschwert miteinander, als würden sie sich schon seit vielen Jahren kennen. Nora war um 7 Jahre jünger als er, und beendete gerade ihr Studium der Kulturwissenschaften.

Als der Flieger landete, blieben sie nebeneinander sitzen und plauderten noch, als bereits alle anderen aus dem Flugzeug ausgestiegen waren. „Ich hoffe es ist nicht zu aufdringlich aber, ich hab ja diese Limousine gebucht die quer durch Paris fährt. Wenn du möchtest bring ich dich damit zu deinem Hotel?“ Sie musste lachen. „Ich dachte schon du fragst mich nie.“ „In welchem Hotel wohnst du denn?“ „Naja, in einem kleinen unspektakulären Hostel, du weißt schon – Studenten Life.“ Ihm brannte die nächste Frage auf der Zunge aber…er traute sie sich nicht auszusprechen.

Während sich in Paris die Sonne langsam ihren Weg durch die Wolken kämpfte, kämpften die Ärzte in der Heimat weiterhin mit allen Kräften um das überleben jener Frau, die gerade in einer Limousine durch die Stadt der Liebe fahren sollte.

Noch 2 Tage in Paris.

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