Nora war beeindruckt. Weniger von der übertrieben großen Limousine in der sie saß, als von der riesigen Stadt, die sie endlich mit eigenen Augen sehen durfte. Er zog einen weiteren Spruch aus seiner Jackentasche. „Mut steht am Anfang des Handelns, Glück am Ende.“ Nora fragte ihn was er da tat, doch er ignorierte, in Gedanken versunken, ihre Bemerkung. „Wenn du möchtest, kannst du die ersten beiden Tage mit mir im Hotel wohnen. Ich meine, es wäre Schade um die riesige Suite und den Eiffelturm direkt vorm Balkon. Vermutlich ist sie so groß, dass wir uns nicht mal über den Weg laufen. Ich übertreibe da offenbar gern ein wenig, wie du vielleicht mitbekommen hast.“ Er sah sich in der viel zu großen Limousine um. „Was sagst du dazu?“ Die Frage kostete ihn mehr Überwindung als er je zugegeben hätte. Nora überlegte und sah ihm dabei tief und lange in seine Augen. „Ok. Ich bin dabei.“ Scheiße, dachte er sich. In Zukunft würde er nie wieder ohne diese Sprüche aus dem Haus gehen.

Im Shangri-La Hotel angekommen, verschlug es beiden die Sprache. Normalerweise stieg er nicht in solchen Luxushotels ab aber diesmal sollte es ja ein unvergessenes Erlebnis werden. Als Nora die Suite betrat und den Eiffelturm vom Balkon aus direkt vor sich sah, fühlte sie sich wie im 7. Himmel. „Ich kenn dich zwar nicht, aber alleine für diese Aussicht würde ich dich heiraten.“ Er hatte sich den Anblick selbst nicht so gewaltig vorgestellt und fragte sich in Gedanken etwas wehmütig, ob seine Freundin wohl ähnlich begeistert reagiert hätte. Er hatte sein Handy bewusst noch nicht aufgedreht und wollte die beiden Tage in Paris in Ruhe genießen.

Den restlichen Tag erkundigten die beiden unbeschwert die Stadt, besichtigten zwei Museen, wobei ihn die Expertisen von Nora immer wieder schwer beeindruckten. Zwischendurch gönnten sie sich ein paar Pausen in kleinen, charmanten Bistros, ehe es am Abend zurück ins Hotel ging, wo sie sich für das Abendessen in dem exklusiven Restaurant an der Seine fertig machten. „Wir müssen wirklich nicht dorthin“ sagte sie ihm mehrfach. „Schon ok, machen wir uns einfach einen schönen Abend ok?“ Sie trug ein schlichtes, schwarzes Abendkleid und sah umwerfend aus. Hinter ihr schimmerte bereits der Eiffelturm durch die offenen Balkontüren und das Licht in der Suite, die ganze absurde Szenerie lösten ihn ihm verwirrende Gefühle aus.

Heute morgen noch war er der glücklichste Mann auf Erden der seine Freundin heiraten wollte. Kurz danach zog es ihm den Boden unter den Füßen weg und nun, stand er vor dieser wunderschönen Frau, deren Augen genauso glitzerten wie der Eiffelturm hinter ihr.

In der Heimat ging inzwischen ebenso die Sonne unter und mit ihr auch die Lichter im Operationssaal. Die stundenlangen Bemühungen der Ärzte waren schlussendlich umsonst. Sie unterlag mit nur 28 Jahren ihren schweren Verletzungen.

Zufrieden wie selten zuvor lächelte er Nora an: „Komm, lass uns gehen.“

Noch 1 Tag in Paris.

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