Du liegst auf einer Couch in deinen eigenen vier Wänden, trinkst Tee und isst Pralinen, während dich dein Smart TV mit Netflix unterhält. Weit weg, am anderen Ende des Planeten liegt ein Kind am kalten Boden, dass morgen nicht mehr da sein wird. Während du dich mit deinem Smartphone spielst und überlegst ob du heut Yoga machen sollst und es dann doch gelangweilt lässt, schnappt dieser kleine Mensch noch einmal kurz nach Luft. Ohne Wasser überlebt das Kind den Tag nicht mehr und du – bist unzufrieden. Schließlich ist dein Handy ja fast leer, die Frisur sitzt heut nicht gut und auch dein Lieblings-Pulli ist grad ausverkauft. Wie scheiße kann das Leben sein, denkst du und belohnst dich mit ner viel zu großen Pizza. Und weißt du was? Ich bin nicht anders. Ich kuschle mich in flauschige Decken, überlege welch Designerstück die Wohnung noch ein wenig schicker macht und kauf mir ein paar High-End Boxen, weil doch gute Musik so wichtig ist. Doch heut umgibt mich weder Sound noch Wärme, nur ein Gefühl des Unbehagens. Es ist die Empathie die zu mir spricht und sich völlig zu Recht enttäuscht von mir zeigt.

Verkommen wie die Nächstenliebe liegt sie in einem dunklen Eck, verstaubt, verkümmert, unbemerkt. Auch Humanität ist nur noch eine Phrase, die nichts mehr sonst hervorruft außer „geh bitte, ist doch nicht mein Problem“ oder „was soll ICH denn schon tun?“. Denn was interessieren uns Leid und tote Kinder, sie sind doch nicht die unseren – denn wären sie es, würden wir sofort und ohne zögern einfach alles was wir haben, geben. Ein wenig nur von all dem Überfluss in dem wir leben – und viele dieser schwachen Herzen würden heut noch lachen. Wie heuchlerisch ist diese Welt geworden und ich – bin mitten drin, genau so scheiße wie die anderen. Und auch wenn Empathie ihr Bestes gibt, wird sie schon bald vergessen sein. Wenn wir zufrieden unsere Bäuche stopfen, Kaffee trinken und über Probleme diskutieren die keine sind. Wenn wir ins Kino gehen und nur die Frage zählt, ob uns die Supersofas heut genügen und beschweren, dass dieser große Kübel Popcorn viel zu wenig ist. Dann denkt schon keiner mehr von uns an all die Kids und Seelen, die leise grad um Hilfe flehen. Was wurde nur aus uns und warum ist der Mensch so wie er ist. Wenn Nächstenliebe nicht gelebt wird und beim eigenen Ego endet, steht es schlecht um diese Welt. So können wir als Ausrede getrost auf Präsidenten schimpfen – doch zählen wir am Ende selbst zu all den Schuldigen.

Brauchts jetzt noch ne Moral zu der Geschicht – das glaub ich nicht. So hoff ich, dass die Empathie sich öfter zeigt und mich ermahnt, wann immer ich vergessen sollte – was aus mir geworden ist.

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