Was ist mir dieser Tag an dem sich alle bunt verkleiden doch egal, denk ich und setz mir eine Maske auf, die mich zu Zorro macht. Muss reichen, sag ich mir und ziehe in die Nacht hinaus, wo ein Vampir dem andern gleicht und eine Mumie vor dem Lokal schon seine Zunge in den Hals der sexy Krankenschwester steckt. In einem schwachen Augenblick hab ich dem Unheil zugesagt und so bin ich gezwungen, diesem Abend tief ins Auge wohl zu blicken.

„Wer bist du?“ fragt mich eine schwer betrunkene Katzenlady die, so scheint mir, das Kostüm der kleinen Schwester in der Stunde trägt. „Zorro“ sag ich trocken und begebe mich zum Tisch wo schon mein Freund, der heute Doktor spielt, mit einer Indianerin und ihrer Freundin kleine Shots und ein paar Biere kippt. „Ich untersuch euch heute alle“ brüllt er lautstark ins Lokal während ich mich, noch gut versteckt hinter der Maske, still für ihn zu Tode schäme. Doch heut, so sag ich mir, erkennt mich niemand, und so nehm ich diesen Shot und leer ihn ohne zögern wild in mich hinein. „Was solls“ denk ich und nehm noch diesen zweiten der so schön in Flammen steht und mir sogleich den Mund und auch die Kehle wild verbrennt. Ich hüstel vor mich hin, während die Indianerbraut sich schwer betrunken grad entkleidet, wohl um dem Doktor seine Arbeit zu erleichtern. Die Freundin neben ihr wirkt mehr gelangweilt als betrunken, hat sie sich doch ganz offensichtlich noch ein Stück weit weniger zurecht gemacht als ich. Zwei dunkle Striche unter ihren dunkelbraunen Augen die, je mehr ich in die Gläser schau, zu Feuer sich verwandeln und leise zu mir sprechen. „Wer bist du?“ schreit mir ein riesen Pferdekopf entgegen, der sich zu unserm Tische drängt und den Moment zerstört. „Zorro“ sagt die Frau mit den zwei Strichen unterm Auge, als hätt sie mich als einzige heut Nacht erkannt. Ich schieb das Pferd zur Seite, stoße lieblich mit ihr an und sage „tausend Dank“ sodass sich ihre Lippen leicht zu einem Lächeln nun verformen.

Nach zwei weiteren Runden nimmt sie zärtlich meine Hand und sagt, „komm lass uns gehen“. „OK“ sag ich verblüfft und lass den Rest des Tisches hinter mir. Der Doktor der schon längst bei seiner Arbeit ist und eher grob als sanft die Brüste der Patientin in den Händen hält scheint mir zutiefst zufrieden. So zieht sie mich geschwind aus dem Lokal, hinein in das Gebäude gegenüber, in dem Autos parken und das Licht mehr flackert als so manches Glühwürmchen um Mitternacht. Sie setzt sich auf ein Auto, das – soweit ich es erkennen kann, schon länger auf der Erde weilt als sie und ich zusammen. Sie zieht mich lächelnd zu sich hin und küsst mich so, dass ich erneut in Flammen stehe. Doch diesmal triffts den ganzen Körper, der nur einen Wimpernschlag danach schon auf dem ihren liegt und ihn in aller Ehrfurcht, so wie Zorro es gebührt, zum beben bringt.
„Wer bist du?“ frage ich leise, während unsre beiden Lippen vor Erschöpfung zittern und um Luft sich noch bemühen. Doch noch bevor sie etwas sagt, malt sie ein Z mir auf die Stirn und küsst mich voller Überzeugung, dass dies wohl keine Rolle spielt heut Nacht und diese Welt grad uns gehört.

Die Maskerade dieser Nacht, hat mehr Freud über mich gebracht, als ich es mir hätt‘ je erträumen lassen. So werd ich mich bald wieder dieser Maske wohl bedienen – in stiller Hoffnung, dass mich in all dem Chaos dieser Welt, erneut jemand erkennt.

Sag mir was du denkst

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>