Das Gewitter ist an der großen Glasfront vorbeigezogen und die Wolken haben sich aufgelöst. Im Zimmer der Chirurgie brodelt es aber. Nachts haben sich unfassbare Töne zugetragen. Ein Schnarchkonzert der Extraklasse – im Einklang, als hätten meine 3 Kollegen das lange einstudiert. Beethoven selbst wäre auf solch ein mächtiges Orchester stolz gewesen und selbst der Nachtdienst gab beim Betreten des Raumes ein anerkennendes Nicken von sich.

Mein bald Einbeiniger Freund wollte heute nichts mehr von einer Abnahme seines Beines wissen und dürfte prinzipiell etwas vergesslich sein. Weder die Anzahl der erhaltenen Blutkonserven, noch wann die Verbände gewechselt wurden oder das Alter seiner Schwester konnte er ohne Zahlendreher von sich geben. So meinte der 60 jährige heute selbstsicher: „Najo, mei Schwester is 6 Johr jünger ois i, oiso is jetzt 46“

Meinerseits wurde das CT endlich durchgeführt und so habe ich eine unerwartete Vertragsverlängerung um mindestens eine Woche erhalten. Ja, dumm gelaufen. Zumindest muss ich – wie es derzeit aussieht – nicht unters Messer, so wie Zimmerkollege 3, der in Kürze von seiner OP zurückkommen sollte. Der gestern operierte Koloss hat seine Tränen inzwischen beiseite gewischt und sich sein Buttersemmerl heute voller Stolz selbst gestrichen.

Der einzige Sonnenschein kam vorhin wie jeden Tag um die selbe Zeit ins Zimmer. Mia, Pia..Jasmin…ich arbeite noch daran. Hoffentlich verlegen sie mich doch nicht in die andere Abteilung, sonst könnten die Tage hier wirklich sehr lange werden.

Aktuell rauchende Ärzte: 3
Schmerzen: 2/10

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