Kolumnen

Lockdown 2.0

Da ist er als nun. Der Lockdown 2.0. Als typischer Österreicher könnte ich mich stundenlang über die Unfähigkeit der Regierung aufregen und darüber, was man alles hätte besser machen können. Man kann natürlich damit argumentieren, dass man uns im Sommer so viele Freiheiten wie möglich gelassen hat. Man kann aber auch argumentieren, dass man den Sommer komplett verschlafen hat und sich in absolut ungenügender Art und Weise auf den Herbst vorbereitet hat. Viel zu wenig Personal für Contact-Tracing, das komplett aus dem Ruder gelaufen ist, eine Corona-Ampel die getrost als der „Fail des Jahrzehnts“ bezeichnet werden kann. Nichtssagende Pressekonferenzen, Selbstinszenierung ohne Ende, keine einheitlichen, klaren und längerfristigen Regelungen und damit Verunsicherung ganzer Branchen und darüberhinaus Verordnungen, die vom VfGH als rechtswidrig eingestuft und gekippt wurden und nach wie vor werden. Nun stehen wir also vor dem nächsten Lockdown, mit einem Kanzler, der die Medien früher als die Oppositionsparteien im Parlament informiert und einem Finanzminister der, wie er uns im Untersuchungsausschuss bewiesen hat, an nichts erinnern kann.

Wie groß die tatsächlichen Auswirkungen auf die Wirtschaft sind, ist noch nicht abzusehen und wird sich erst im Nachhinein feststellen lassen. Die Prognosen sind jedenfalls wenig rosig, vor allem durch die ansteigende Zahl der Arbeitslosigkeit. So bleibt einem also nichts übrig als den Lockdown 2.0 hinzunehmen und zu hoffen, dass die Regierung aus ihren Fehlern lernt und mit mehr Klarheit auftritt.

Ich persönlich bin in Sachen Beruf und Privatleben gesegnet und muss mir keine Sorgen machen, für viele andere ist dieses Jahr jedoch wirklich kein einfaches und geht in vielen Fällen an die Existenz. Für tägliche Selbstinszenierungen des Kanzlers fehlt mir daher auch jegliches Verständnis.

Wo die Eitelkeit anfängt, hört der Verstand auf.

Marie von Ebner-Eschenbach

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