Österreich ist anders – das wurde mir bereits in der ersten Minute am Parkplatz bewusst. Man hatte den Eindruck, als wäre man bei einem Wettbewerb gelandet, bei dem es darum geht so viele Bierpaletten wie möglich zu transportieren. Hatte man nicht mindestens 32 Bierdosen dabei, hat man das Spiel nicht verstanden. Alleine vom Parkplatz bis zum Festivaleingang wurde mehr Alkohol vernichtet als am ganzen INMusic Festival in Kroatien. Ich muss gestehen ich war schockiert, welche extremen Massen an Bier und sonstigen Alkoholischen Getränken angeschleppt wurden & wie der Zustand vieler Besucher bereits in der ersten Stunde war. „Das kann ja was werden“…dachte ich – und sollte damit recht behalten.

Der Start

Der offizielle Festival Start war am Do um 12 Uhr – das hat sich zwar bei den Gästen aber nicht bei der Organisation herumgesprochen. Über zwei Stunden lang mussten wir mit dem kompletten Gepäck in der Hitze warten. Dass zwei Mini Durchgänge für zigtausende Besucher zu wenig sind, konnten die Macher des Festivals natürlich nicht wissen. Das war richtig brutal und eine echte Geduldsprobe. Die meisten haben ihren Frust darüber einfach in Alkohol ertränkt. Im Festival Gelände angekommen, waren bereits 95% der Flächen belegt – ein zum Glück guter Zeltplatz wurde dann aber trotzdem noch gefunden.

Die Location und rauchende Zelte

Der Schwarzlsee ist wirklich großartig und eignet sich perfekt, um ein derartiges Festival zu feiern. Unter Tags kann man am See liegen und darin schwimmen, für gute Musik und Kulinarisches ist ebenfalls gesorgt. Die Preise sind vollkommen in Ordnung und nicht extrem überteuert. Bei einem Bierpreis von teilweise – Achtung – 1€, musste ich mich allerdings erst recht nochmal fragen, wieso die Leute tausende Bierdosen mitgeschleppt haben. Mineraltrinker kamen mit 3,50€ nicht ganz so günstig davon – aber man befand sich ja auf einem Festival und auf keinem Kindergeburtstag. Die Tattoo und Piercing Stände haben von der Bierpreispolitik sichtlich profitiert. Ein komplett nackter Jugendlicher wartete bereits mit großer Freude auf seine neue Kriegsbemalung. Es ging jedoch nicht ums trinken alleine, nein auch gekifft wurde auf dem Festival ohne Ende. So viel Gras wie auf dem Festival vernichtet wurde, wächst auf keinem Fußballfeld. Egal wo man hinging, es stieg einem immer der gleiche Geruch in die Nase. Ich habe jedenfalls gelernt, dass rauchende Zelte nicht unbedingt immer in Brand stehen…

Die Leute

Bei all dem Alkohol und Drogenkonsum – den ich teilweise für sehr grenzwertig halte – muss ich sagen, dass die Leute sehr friedlich waren und es keine größeren Auseinandersetzungen gab – was angesichts der dichtgedrängten Mainstage ein Wunder war. Die durchwegs österreichische Jugend von heute ist in jeder Hinsicht sehr extrem – aber auch kreativ. Eine höchst amüsante Kostümvielfalt die ihres gleichen suchte war die Folge. Jeder wollte auffallen und Spass haben. Affen, Bären, Haie, Pferde Cartoonfiguren wie Flash oder Mickey Mouse, Clowns – Typen mit Vollbart in Badeanzügen, es war alles mit dabei. Wenn man allerdings genauer hinsah, war das Bild nicht mehr ganz so bunt und lustig sondern doch ziemlich erschreckend. Als ich mich beim Auftritt von Seeed einmal drehte, konnten von 10 Leuten keine 3 die Augen ordentlich offen halten. Zugedröhnt mit was auch immer…der Urban Festivalalltag. Aber es waren auch schöne Momente dabei – denn es gab schließlich jede Menge gute Musik.

Die Musik

JA, das Urban Art Forms Festival war von der Musik her definitiv ein gutes Festival und die Stimmung auf der Mainstage war teilweise der Wahnsinn. Knife Party war für mich und bestimmt für viele andere der Beste Act des Festivals. Diese 80 Minuten waren unglaublich mitreissend und eine einzig riesengroße Party. Ebenso gut waren Parov Stelar & Band, die perfekt durchgeplante Show von Seeed sowie die absolut Schräge aber unterhaltsame Bühnenpräsenz von Deichkind. Auch Fritz Kalkbrenner und Modestep konnten überzeugen. Der Headliner „The Prodigy“ enttäuschte hingegen ein bisschen und wirkte etwas fehl am Platz. Für die meisten war der Musikstil sichtlich zu „hart“.

Resume

Das Urban Art Forms Festival 2013 war für mich ein ständiges up and down. Einerseits geschockt von der österreichischen Jugend hinsichtlich Alkohol, Drogen und anderen Verhaltensmustern, andererseits begeistert von der Musik und der Partybegeisterung der Leute. Es war ein sehr interessantes Festival, dass man durchaus mal gesehen und erlebt haben sollte. Man sieht allerhand kurioses wie Stühle auf Bäumen, schlafende Betrunkene in Plantschbecken oder verzweifelte Leute, die Nachts hoffnungslos versuchen einen Pavillon in einen Müllcontainer zu werfen. Die Ansicht eines völlig Betrunken, der mit letzter Kraft ein Schild mit der Aufschrift „Endlich normale Menschen“ in die höhe stemmte, kann ich zwar nicht teilen, was bleibt sind jedoch die Erinnerung an ein paar gute Music Acts und ein Schwarzlsee, der nun einer großen Müllhalde gleicht.

Noch 3 Tage, dann gehts zum Balaton Sound Festival mit 250.000 Besuchern – die Mitnahme von Alkoholischen Getränken ist dort übrigens – wie schon beim grandiosen INMusic Festival – verboten.

  1. Hi No Tori schreibt:

    Alkohol und Drogen werden auf jeden Festival konsumiert. Sorry, aber wenn der Verfasser des Artikel so eng sieht hat er auf einem Festival nichts verloren.

    Sogar Seeed hat es mit Humor genommen dass viele vor der Bühne Gras konsumiert haben.

    Ich war noch nie auf so einem Festival wo so viele Drogen konsumiert worden sind und die Leute trotzdem so freundlich und zuvorkommend waren.

  2. Danke für dein Kommentar. Ich halte mich für relativ tolerant was Alkohol & Drogen angeht und dass es auf Festivals so zugeht ist mir klar. Es gibt jedoch auch Festivals bei denen die Musik, das Tanzen, das grundlegende Festival Erlebnis miteinander im Vordergrund stehen und bei denen die Leute trotzdem bei vollem Bewusstsein und nicht derart zugedröhnt sind.

    Es war ja nicht alles schlecht & friedlich war es ebenso – aber geschockt hat mich das Ausmaß des Alkohol/Drogen Konsums trotzdem.

  3. patrick schreibt:

    kann ich eigentlich fast alles so bestätigen. ok, der bierkonsum war extrem, aber kam das wirklich so überraschend? schockierend, möglicherweise, aber meiner erfahrung nach ist das auf anderen festvials, ob österreich oder nicht, elektro oder kein elektro, auch nicht anders.
    prodigy fand ich ebenfalls enttäuschend, allerdings nicht wegen der härte (modestep beispielsweise ist mindestens auch so „hart“) sondern eher, weil die „spannungsaufbauphasen“ extreeeeeeem lange andauerten und die drops dementsprechend mikrig ausfielen, was diesen konstant gleichbleibenden beat erzeugte. alles in allem dennoch n gutes festival.

  4. Ja das mit Prodigy war schon schade – die 4,5 Songs bei der Zugabe fand ich dann wesentlich besser als den Teil davor – hats noch mal etwas gerettet. Knife Party fand ich hingegen grandios – das passte wie die Faust aufs Auge. Aber ja..bei so vielen Leuten nimmt jeder einen eigenen Eindruck mit nach Hause – ist ja auch gut so 🙂

  5. Daffy schreibt:

    Hmmmm, liest sich so als wäre der Autor zum ersten mal auf einem Festival gewesen.
    das bisschen Gras und der Alk hat auch noch niemandem geschadet solltest du ein Problem damit haben, dann zwingt dich ja keiner auf solche Festivals zu fahren

  6. Danke für dein Kommentar, nein es war nicht mein erstes Festival und gegen „bisschen“ Gras und Alkohol ist nichts einzuwenden – jeder wie er möchte. Nur von „bisschen“ war man beim UAF weit entfernt.

  7. Chrise schreibt:

    Viel Drogen waren da schon unterwegs, ja, aber gegen Gras u Alkohol is nix einzuwenden. Anders schauts da bei LSD, MDMA, E usw aus…
    Da hört sich meiner Meinung nach der Spass auf… Kaum am ersten Tag am Shuttle ausgestiegen, alles angeboten bekommen!
    Geschockt hat mich nicht die Prãsenz von den ganzen Gift, eher mehr, dass so viele junge Leute, meiner Meinung nachviel zu junge, voll beinander rumgestiefelt sind…
    Naja um deinen Beitrag zu kommentieren muss ich sagen, dass er sich irgendwie so anhört, als gabs keine nûchternen Leut da dort!
    Ich muss sagen, dass das mein erstes nuechternes Festl war, bis auf Donnerstag, da hatt ich ca 100 bier 😀 und es auf jeden Fall noch viel viel genialer ist das alles ais nuechternem Kopf zu sehen, einfach lustig, aber auch schockend!
    Zu den Acts: Hammer lineup!
    Netsky, high contrast und knife party waren goosebumps feeling pur!

  8. my 2 cents:
    es gab zwei eingänge für das festival. der haupteingang, und dann unten am see. dies wurde kommuniziert, war auch auf jedem plan verzeichnet. unten am see war sehr wenig los. mit ein bisschen überlegen, sich zuerst den anderen eingang anzusehen hättest du vmtl. 2 minuten gewartet.

    das mit den massen an bier die hingeschleppt werden stimmt, ist auch für mich nicht nachvollziehbar – wenn man kaltes bier um ein 1 euro bekommt.

    und bzgl. dem drogenkonsum: mir ist nichts dergleichen aufgefallen, schon gar nicht „rauchende zelte“.

  9. Danke für dein Kommentar ketu, wir waren bei dem Eingang Abfahrt Schwarzlsee, P3 + dann über die Brücke zum Eingang – wo war denn der zweite Eingang? Wäre mir total entgangen.

    Rauchende Zelte gab es in unserem Bereich C2+C3 genug aber gut wenns nicht überall so war…alles subjektive Eindrücke & Erlebnisse.

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