Während die weiblichen Blicke auf Gibson fokussiert waren, landeten alle männlichen schlagartig auf Olivia und ihren beiden Brüsten. Auch Gibson bemerkte den neuen Gast und lächelte ihr smart und selbstbewusst zu. Der Aufwand hatte sich gelohnt. Sie setzte sich zur Bar, bestellte sich einen Shot um locker zu werden und entledigte sich ihrer Lederjacke. Gibsons Blick verteilte sich immer weniger über das anwesende Publikum sondern konzentrierte sich merkbar auf Olivia. Er sah in natura noch besser aus als auf dem Tinderfoto. In Gedanken sah sich Olivia schon unter, über, auf und vor ihm auf dem Bett liegend. Es war immer toll wenn alles nach Plan lief. Der Shot den sie zuvor zu sich nahm verfehlte ihre Wirkung keineswegs. Sie war jetzt auch von innen aufgewärmt und bereit dafür, ihre Nummer 67 kennen zu lernen.

Ja, Olivia führte Buch. Nicht im Detail, nur Stichwortartig. Nummer 12, Ben, der Zungenkönig. Nummer 17, Marathon-Ralph. Nummer 44, der weiche Lars – genauso unbrauchbar wie Nummer 52, 8-Sekunden-Freddie. Besonders hochwertige Begegnungen bekamen hingegen einen Platz in ihrer Topliste. Aktuell vorne, Nummer 23, Kamasutra-John. Eine lebende Legende die leider nach Thailand zog. Man könnte meinen dass 66 Geschlechtspartner viel für eine 26-jährige wären. Olivia sah das anders. Bei 365 Tagen im Jahr hielt sie die Zahl für extrem überschaubar – und wie sollte man denn sonst auch den Unterschied zwischen mäßigen, guten und sehr guten Sex herausfinden wenn man nicht ständig probierte und sich weiterentwickelte. Jede Person die mit weniger als zehn Personen Sex hatte nahm sie gerne in ihre Arme um sie zu trösten. „Das wird schon noch.“ brachte sie der Person all ihr ernst gemeintes Mitgefühl entgegen. Bei Gibson hatte sie ein gutes Gefühl dass er es auf ihre Topliste schaffen könnte.

Der Typ erfüllte optisch einfach alles auf ihre Checkliste. Der Gesang war nur die Draufgabe. Als die Musik endete und Gibson eine Pause ankündigte ging er von der Bühne hinunter und direkt auf Olivia zu. Die pure Männlichkeit stand vor ihr und nach drei Wochen der Abstinenz wollte sie ihn sofort einpacken und mit nach Hause nehmen. Er bestellte ohne zu zögern zwei Shots und gab einen Olivia. „Schön dass dus geschafft hast Missy94. Auf uns.“ Er sah ihr dabei tief in die Augen ohne auch nur einmal in ihr Dekolletee zu blicken. „Der nächste Song ist für dich.“ flüsterte er ihr ins Ohr und zog wieder auf die Bühne. Olivia wurde heiß und sie erinnerte sich umgehend an eine ihrer weiteren Regeln. „Bringt dich ein Mann dazu dass dir heiß wird ohne dich zu berühren, darf er dein Bett zerstören.“ Auch die Regel „Schafft es ein Mann auf deine Topliste, schenke ihm deinen BH zur Anerkennung“ poppte umgehend in ihrem hochperformanten neuralen Netzwerk auf. Ja, sie hatte vielleicht keinen Doktor Titel aber wie man mit Männern umging wusste sie.

„Der nächste Song trägt den Namen Galway Girl und ist für Missy.“ Olivia traute ihren Ohren nicht. Das war doch genau der Song den Gerard Butler in PS ich liebe dich im Pub für sein Mädchen spielte. „Ok Olivia, beruhig dich“ ermahnte sie sich selbst. Sie fühlte sich als wäre sie gerade die Hauptfigur in diesem Film. Vor ein paar Stunden zupfte sie noch Chipsreste aus ihren Haaren und jetzt sang ihr der Mann ihrer Träume einen Song in einem Pub. Gibson sah sie unentwegt an und Olivia wurde rot im Gesicht, was ihr höchst selten passierte. Auch dafür hatte sie eine Regel aufgestellt, die allerdings erst einmal zu tragen kam. „Bringt dich ein Mann dazu, dich rot werden zu lassen, ohne dich zu berühren, verführe ihn nicht nur sondern verlieb dich in ihn ohne wenn und aber.“ Nach den letzten Klängen des Songs applaudierten alle Anwesenden und Gibson übergab an den Rest der Band, die mit einem weiteren Irischen Song fortsetzte. Olivia bedankte sich bei Gibson mit einem Kuss auf die Wange und überreichte ihm einen der beiden Shots die sie bestellt hatte. Diese kleinen Whiskydinger hatten es ganz schön in sich. „Hast du Hunger?“ fragte Gibson. Wie konnte man nur so wenig sagen und so vieles meinen? Oder meinte er mit Hunger wirklich Hunger? Olivia versuchte die Wortfragmente zu dekodieren. „Ja eine Kleinigkeit könnte ich schon verschlingen“ und musterte ihn dabei von Kopf bis Fuß.

„Ok, dann lass uns gehen.“

Teil 4 folgt…

    Sag mir was du denkst

    Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

    <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>