In unserer schnelllebigen Zeit, in der ein jeder in seiner eigenen kleinen, meist hektischen Welt ums überleben kämpft, scheint man stets darum bemüht zu sein, einen nach außen hin soliden Eindruck zu hinterlassen. Große Gefühlsausbrüche oder Emotionen werden daher vermieden.

„Wie geht es dir?“ lautet die tag-täglich gestellte Frage von flüchtig Bekannten oder Arbeitskollegen. „Gut, danke und selbst?“ gibt man automatisiert zum Besten. Meist schaltet das Hirn an der Stelle bereits ab, bevor die kurze Antwort mit einem Nicken oder der sinnbefreiten Phrase „na sehr gut“ quittiert wird und sich beide Akteure wieder dem Leben widmen. Selbst bei Freunden oder Verwandten läuft das Frage- Antwortspiel oftmals so ab.

In Wahrheit geht es den meisten Menschen aber nicht gut, sondern Bescheiden, da in irgendeinem Bereich ihres Lebens etwas schief läuft. Das ist aber auch nicht verwerflich oder weiter verwunderlich sondern einfach der Normalzustand. Das Leben ist eben, wie wir alle wissen, nicht immer einfach. Mal ist der Beruf stressig, mal nerven Freunde oder das Geld ist knapp. Mal läuft es in der Liebe nicht nach Plan, ein Familienmitglied ist krank oder ein Haustier verstorben. Vielleicht gibt es auch einfach keine Konzertkarten mehr für die Lieblingsband oder die Eissorte seines Vertrauens wurde eingestellt. Irgendwas fuckt einen immer an.

Die Menschen tragen diese Dinge jedenfalls mit sich mit und hegen kein großes Interesse daran jemanden davon zu erzählen – es sei denn, man ergänzt diese unnötige Standardfrage durch ein simples Wort: „Wie geht es dir, wirklich?“

Statt der Standardantwort folgt ein erstaunter Blick, eine Mimik die sich schlagartig verändert und in Momente des Schweigens mündet. Dieses kleine, unscheinbare Wort macht doch tatsächlich einen Unterschied wie Tag und Nacht und so geht es dem Gegenüber nicht mehr nur „eh gut“ sondern die Person öffnet sich und erzählt wie aus heiteren Himmel von den kleinen und großen Problemen mit denen man sich herumschlägt. Ein einziges Wort schafft es, eine Frage auf ein völlig anderes und viel persönlicheres Niveau zu heben und schafft in Sekunden Vertrauen, wie das nachfolgende Video von Thoraya Maronesy Bestens zeigt.

Thoraya Maronesy – How are you doing, really?

So ist es also bestimmt nicht verkehrt, wenn man diese Frage bewusst öfter stellt. Vor allen jenen Personen, die man gut zu kennen meint oder zur Familie gehören. Denn wir erfahren bestimmt so einiges, mit dem wir nicht gerechnet hätten.

Vorsicht ist die Einstellung, die das Leben sicherer macht, aber selten glücklicher.

Samuel Johnson

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