Samstag, 17:30. Nach 40 halbwegs sportlichen Kilometer auf dem Rad, einem kleinen Proteinshake und einer kalten Dusche schwinge ich mich nochmal ins Cabrio um ein paar Lebensmittel zu besorgen. Die Einkaufsliste ist relativ simpel. Bananen, Birnen, Karotten, Tomaten, Schnittlauch, Roggenvollkornbrot, Haferfrüchtemüsli, Sojamilch, Laktosefreie Milch, Butter, Spinat, meine geliebten Proteingetränke und Italienische Bruschette Chips. Normalerweise rausch ich durch die Selbstbedienungskasse und bin in 5 Minuten wieder draußen – aber heute stresst mich nichts mehr und so nehme ich die Kasse 1 und lege alles geordnet auf das Band. Während ich warte, bis das Ehepaar vor mir ihren Großeinkauf abarbeitet, drehe ich mich um und erblicke einen jungen, blonden Typen um die 16, bei der Selbstbedienungskassa.

Bier, Bier, Wein, Vodka. „Sauber“ denk ich mir und schwenke meinen Blick zur Kassa daneben. Sein Freund zieht die Identen Gegenstände über den Scanner und packt sie in den Rucksack. Auch der dritte im Bunde scannt ein paar Biere und so ziehen die drei mit Blicken die mir nur all zu bekannt vorkommen davon. Die drei erwartet heute einer dieser Abende an dem alles passieren kann. Ein Abend der damit startet, dass sie sich an einem gemütlichen Ort zusammensetzen, den Alkohol vernichten und über das Leben philosophieren. Je später und dunkler es wird, umso besser wird die Stimmung. Vielleicht steigt noch bei irgendjemanden eine Party und man trifft unerwartet auf Personen, die noch eine große Rolle im Leben spielen werden. Vielleicht macht man einen riesigen Fehler, küsst die Freundin eines anderen oder kotzt viel zu früh irgendwohin. Es passieren Dinge, an die man sich vielleicht noch jahrelang später erinnern wird oder die zumindest für Wochen Gespräch in der Schule sein werden. Es ist nun mal Samstag Abend. Zeit abzuschalten, auf alles zu pfeifen und das Leben – dem Alter entsprechend – zu leben.

Mir kommt es vor als wär es erst gestern gewesen, dass mein eigener Rucksack ebenso mit Alkohol gefüllt war und wir die Flaschen am Bahnhof oder in Parks leerten, bevor es dann noch weiterging in das eine oder andere Lokal. Es lag stets diese Leichtigkeit und Spannung in der Luft, denn man wusste nie auf wen man noch treffen wird oder was man in den nächsten paar Stunden noch erlebt. Ist heute eine dieser magischen Nächte oder scheißt einem das Leben wieder ordentlich rein? Man wusste es einfach nicht – aber man freute sich schon sehr es herauszufinden.

Mein Blick fällt wieder auf das Band vor mir. Wer ist dieser Typ mit diesem viel zu gesunden Einkauf? Und wo verdammt ist die Zeit hingekommen? Statt Alkohol – auf den ich seit meinem Krankenhausaufenthalt sowieso verzichten muss, liegt ausnahmslos dieses gesunde Zeugs und irgendwie macht mich das traurig. Ich bin echt einer dieser Ullis geworden die sich Bananen-Soyamilchshakes machen, Sport betreiben, auf den Körper achten und am Abend Tee trinkend auf einem italienischen Designersofa liegend, sinnvolle Dokus anschauen, um sich ein bisschen weiterzubilden. Während ich den jungen Burschen hinterher sehe und laut seufze, fragt mich die Dame an der Kassa ob alles in Ordnung ist. Ich bin mir nicht sicher was ich sagen soll, darum sage ich nichts.

In diesen Augenblicken fällt es mir schwer, hinzunehmen dass ich keine 16 mehr bin – denn auch wenn ich kein Problem mit meinem Alter habe, fehlt mir dieses spezielle Gefühl von damals und diese aufregenden, spannenden Nächte an denen es keine Regeln gab außer Spaß zu haben und das Leben in vollen Zügen zu genießen. So pack ich meinen Einkauf zusammen, ziehe aus dem Supermarkt und wünsche den Jungs in Gedanken, dass sie heute eine legendäre Nacht erleben werden – aber ehrlich gesagt, bin ich mir da sowieso sicher.

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