Wie mag es wohl gewesen sein, als Giorgio Vasari das Leben der zeitgenössischen Künstler der damaligen Gegenwart festzuhalten? Im Quattrocento Italiens, als der Weltgeist mitten im Herzen Florenz zugegen war und sich die Größen der Renaissance tagein tagaus begegneten. Ob er damals schon wusste, welche Bedeutung seine Aufzeichnungen später einmal haben werden? Ob er wusste unter welchen Legenden er wandelte und dass noch 500 Jahre später über ihn selbst gesprochen und geschrieben wird? Es wäre schon verwegen zu denken, dass man selbst noch nach hunderten Jahren von Bedeutung sein wird, doch wenn man es ganz nüchtern betrachtet, sind wir selbst die Vorbilder, die verehrten Künstler und Geschichten der nächsten Generationen. Vielleicht nicht bewusst, womöglich auch nicht im großen Stil der damaligen Ikonen aber eventuell im kleinen Rahmen. Vielleicht wird man auch wiederentdeckt wie Sandro Botticelli, der 300 Jahre lang so gut wie vergessen schien und heute nicht mehr wegzudenken ist.

Mir gefällt jedenfalls der Gedanke, dass die großen und kleinen Vorbilder der nächsten Generationen womöglich unbemerkt unter uns leben und sich nicht zu wichtig nehmen. Wie der Biograph Vasari gehen sie einfach ihrer Arbeit nach, beobachten, notieren und tun nach Möglichkeit ihr Bestes, ohne zu viele Gedanken daran zu verschwenden, ob sie in ferner Zukunft vielleicht noch von Relevanz sein werden. Das ist wohl auch ganz gut so und ein vernünftiger Weg zu Leben, denn so wirken sie in der einzigen Zeit die sie gerade beeinflussen können – im Heute.

Wir selbst sind die Vorbilder, die verehrten Künstler
und Geschichten der nächsten Generationen.

Jürgen Koller

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